Lesen in Deutschland: Landesporträt Niedersachsen
Förderung von Lesen als Schlüsselkompetenz für Bildungsteilhabe: Initiativen in den Ländern
09.06.2009
Leseland Niedersachsen.
Lesenetzwerke und lokale Initiativen zur Leseförderung

© Mentor - Die Leselernhelfer Hannover e.V.
Leseförderer wirken überall in Niedersachsen, bilden lokale Netzwerke und lassen sich viel einfallen, um Kindern und Jugendlichen das Lesen schmackhaft zu machen. Das zeigt die Broschüre "Leseland Niedersachsen – Lesenetzwerke und lokale Leseförder-Initiativen 2009", die die Akademie für Leseförderung der Stiftung Lesen an der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek am 23. April 2009, dem Welttag des Buches, der Öffentlichkeit vorgestellte. Auf 64 großzügig illustrierten Farbseiten findet man nach einer kurzen Überblicksdarstellung doppelseitige Porträts von 22 Lese-Orten in Niedersachsen. Die Palette reicht von A wie Aurich bis W wie Wolfenbüttel und in der Größe von der Landeshauptstadt Hannover mit ihren 500.000 Einwohnern bis zu der 8000-Seelen-Gemeinde Neuenkirchen-Vörden.
Leseförderung im Überblick
Leseförderung hat viele Gesichter. Wer in seinem Umfeld selbst in der Leseförderung aktiv werden will, sollte sich überlegen, welche Ziele er vorrangig erreichen und welche Schwerpunkte er dabei setzen möchte. Um ein erstes Bewusstsein für die Möglichkeiten zu schaffen, geben die Autorinnen und Autoren der Broschüre im folgenden Überblick einige Anregungen. Zur Veranschaulichung werden Beispiele herangezogen, die im zweiten Teil der Publikation bei der Vorstellung der örtlichen Lesenetzwerke und Leseförder-Aktivitäten genauer beschrieben sind.
Leseförderung: Was ist das?
Der ideale Leser liest gut, gern und viel. Wer Leseförderung nötig hat, liest schlecht, ungern und wenig. Leseförderung kann deshalb an allen drei Aspekten des Lesens ansetzen: an der Lesekompetenz, der Lesemotivation und der Lesehäufigkeit.
Die Lesekompetenz wird zum Beispiel von den Studierenden des Bucerius Lernwerks in Braunschweig besonders trainiert, die in kleinen Gruppen mit leseschwachen Zweitklässlern arbeiten. Auf besonders leistungsfähige Leser zielt dagegen der alljährliche Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, bei dem es nicht nur um Leseverständnis und Lesefluss, sondern auch um ausdrucksstarkes Vorlesen vor Publikum geht.
Die Lesemotivation steht unter anderem dann im Mittelpunkt, wenn das Lesen mit anderen angenehmen Beschäftigungen verbunden wird. So wird zum Beispiel in der Buxtehuder „Kälbchenschule“ nicht nur vorgelesen, sondern auch gebastelt. In Westoverledingen gehen die Kinder beim Egon-Projekt aus der Bücherei in die Natur und finden dort Anregungen zum Weiterlesen. Und in der Erlebnisbücherei in Rehburg-Loccum stehen regelmäßig Mitmachaktionen auf dem Programm, die sich um Bücher ranken, etwa wenn man Sachbücher zur Mode liest und dann gleich auch eigene Kostüme entwirft. Für die Lesemotivation kann es aber auch sehr wichtig sein, dass man bei der Auswahl des Lesestoffes möglichst viel Freiheit hat, um seine eigenen Vorlieben zu verfolgen. Einen Ansatzpunkt bieten Zeitungsprojekte wie das Projekt „Schulz“ in Braunschweig oder das Projekt „Zeitungsleser – Weltentdecker“ in Lüneburg, denn die Tagespresse deckt eine große Vielfalt von Themen ab und bietet so etwas für jeden Leser. Die Mitglieder der Göttinger Jubu-Crew praktizieren die Wahlfreiheit beim Lesestoff, indem sie nicht nur ihre Lieblingsbücher selbst entdecken, sondern anschließend in Rezensionen auch anderen schmackhaft machen.
Die Lesehäufigkeit ergibt sich aus Lesekompetenz und Lesemotivation fast von alleine. Aber bestimmte Projekte unterstützen sie zusätzlich, indem sie eine bestimmte Zahl von gelesenen Büchern, meistens drei, als Mindest-Teilnahmebedingung formulieren. Das gilt zum Beispiel für die Sommerleseclubs, die von vielen Bibliotheken durchgeführt werden und dessen bekanntestes Beispiel die Julius-Clubs sind, die von der Büchereizentrale Niedersachsen und der VGH-Stiftung unterstützt werden. Ähnlich funktioniert das Celler Projekt Lese-Experten.
Etappen der Leseförderung
Frühförderung: Leseförderung beginnt nicht erst mit der Einschulung und dem offiziellen Leselehrgang. Als Sprachförderung und „Literacy-Erziehung“ schafft sie schon im Babyalter wichtige Voraussetzungen dafür, dass später das Lesenlernen problemlos gelingt. Durch Reime, Sprechverse, Fingerspiele, Lieder und Geschichten sowie in der Begegnung mit altersgerechten Bilderbüchern werden alle Sinne und besonders Ohr und Auge des Kindes geschult. Dank der so entwickelten Aufnahmefähigkeit für Sprache als Bedeutungsträger und Verständigungsmittel ist das Lesenlernen kein großer Schritt mehr.
Den Eltern kommt in der Frühförderung eine besonders wichtige Rolle zu. Deshalb gibt es mehrere Projekte, bei denen die Eltern gezielt angesprochen werden, darunter das bundesweite Lesestart-Projekt der Stiftung Lesen, das in Zusammenarbeit mit den Kinderärzten durchgeführt wird. Es wird an vielen Orten in Niedersachsen durch lokale Initiativen unterstützt und erweitert, zum Beispiel in Neuenkirchen-Vörden und Nienburg, wo ihm „Buchstart-Projekte“ mit aufsuchender Familienarbeit zur Seite stehen.
Daneben versucht man die Eltern auch über die Kindergärten zu erreichen, vor allem die vielen Familien mit Migrationshintergrund. Die Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund steht zum Beispiel beim hannoverschen Rucksackmütter-Projekt im Mittelpunkt.
Leselernbegleitung: Der Leselehrgang in der Grundschule soll eigentlich allen Schülern die Lesekompetenz in ihren Grundzügen bereits im ersten Schuljahr vermitteln; die drei Folgejahre dienen zur Konsolidierung und zur Erweiterung auf das Verstehen längerer Texte. Aber manche Kinder haben Mühe, dem vorgesehenen Lernrhythmus zu folgen. Für diese Kinder ist eine Förderung in Kleingruppen oder im Einzelunterricht sinnvoll, die aber die Schule aus Personalgründen nur selten leisten kann.
Hier findet sich ein wichtiges Wirkungsfeld von ehrenamtlichen Leseförderern, auch wenn diese professionelle Hilfe nicht ersetzen können. Die Leselernhelfer der Mentorenvereine, die es in vielen niedersächsischen Orten gibt (u. a. in Celle, Göttingen, Hannover, Lüneburg, Nordhorn), nehmen sich einzelner Kinder an und lesen mit ihnen regelmäßig zumeist nach dem Unterricht. In Braunschweig (Bucerius Lernwerk) sind es Lehramtsstudierende, die gezielt Zweitklässler in Kleingruppen trainieren, um ihre Lesekompetenz zu verbessern. In Hannover werden beim „Lesementoring“ Neunt- und Zehntklässler verschiedener Schulformen in Grundschulen aktiv und tragen dazu bei, dass die Kleinen lieber und besser lesen.
Eine wichtige Rolle spielen auch Vorlesepaten, die in Kindergärten, Grundschulen oder anderswo häufig in Zusammenarbeit mit der örtlichen Bibliothek regelmäßig vorlesen und oft zusätzliche Angebote für Aktivitäten machen, die sich an die vorgelesenen Kinderbücher inhaltlich anschließen, wie zum Beispiel bei den Wolfenbütteler Lesemäusen (mehr zu Vorlesepaten im Abschnitt über ehrenamtliche Leseförderer).
Kampf dem Leseknick: Nach der Grundschule lässt das Leseinteresse der Kinder oft stark nach, besonders bei den Jungen. Deshalb ist Leseförderung im Alter von 11 bis 15 verstärkt nötig, aber auch besonders schwierig, denn die Kinder lassen sich immer weniger gern etwas von Erwachsenen sagen. Die Gruppe der Gleichaltrigen (Peergroup) hat größeres Gewicht. Deshalb sind Leseförderangebote besonders erfolgreich, die dieses Gruppenbedürfnis befriedigen, wie dies beim Julius-Club der Fall ist, mit seinen Clubtreffen und seinem Clubausweis.
Andererseits differenzieren sich die individuellen Interessen in diesem Alter stark aus. Deshalb ist es nötig, ein reichhaltiges Themenangebot in die Leseförderung einzubringen, wie dies die öffentlichen Bibliotheken mit ihren thematischen Lesekisten gut leisten können. In dieselbe Richtung weist auch das Projekt „Zeitschriften in die Schulen“ der Stiftung Presse-Grosso und der Stiftung Lesen mit Unterstützung des Bundesverbandes Presse-Grosso und des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger, bei dem ein bunter Mix von Zeitschriften in die Schulen geliefert wird, der alle denkbaren Leseinteressen bedient.
Vertiefung und Erweiterung der Lesekompetenz: In den Sekundarbereichen I und II steigen die Anforderungen an die Lesekompetenz. So lernt man beispielsweise Fremdsprachen und entdeckt im Idealfall Freude an der Lektüre von fremdsprachiger Literatur im Original. Die Schulbuchverlage bieten vereinfachte Versionen fremdsprachiger Literatur. Für die französische Literatur gibt es außerdem einen alljährlichen Lesewettbewerb zu neuer Jugendliteratur aus Frankreich, den „Prix des lycéens allemands“, der den beteiligten Schulklassen die Gelegenheit verschafft, mehrere aktuelle Werke zu lesen und zu beurteilen. An diesem Wettbewerb nehmen auch aus Niedersachsen jeweils bis zu zwanzig Gruppen verschiedener Schulen teil, zumeist Schüler der gymnasialen Oberstufe.
Eine Herausforderung an die Lesekompetenz stellt auch der bilinguale Sachfachunterricht dar, der an einigen Schulen erteilt wird, unter anderem in Geschichte, Erdkunde und Biologie. Hier sind Fachtexte in einer Fremdsprache, zumeist Englisch, so zu verstehen, dass der Stoff genauso gut beherrscht wird, wie wenn er lediglich auf Deutsch vermittelt würde.
Zielgruppen
Die Lesemotivation, aber auch die Lesekompetenz sind von Kind zu Kind und je nach erreichter Entwicklungsstufe unterschiedlich ausgeprägt. Aber viele Leseförderangebote richten sich gezielt an bestimmte Gruppen. So gibt es Angebote speziell für Jungen oder für Kinder aus so genannten bildungsfernen Familien und mit Migrationshintergrund.
Jungen unterscheiden sich in ihren Lektürepräferenzen und Lesefähigkeiten häufig von Mädchen, sowohl in Bezug auf die Printmedien als auch auf digitale Medien. Projekte und Aktionen, die diesen gendersensiblen Aspekt der Leseförderung besonders betonen, können sehr erfolgreich sein. So wurde etwa im Sommer 2008 bei „Stade liest“ aus Fußballbüchern vorgelesen. Die Erweiterung des Leseangebots auf Sachbücher und Zeitschriften sowie die Einbeziehung digitaler Medien können ebenfalls dabei helfen, Jungen aus ihrer „Lese-Schmollecke“ zu holen.
Zur Leseförderung für Jungen trägt neben der Wahl des Lesestoffes die Person des Lese-Anregers bei. Jungen brauchen Jungen als Lese-Vorbilder; deshalb ist es erfreulich, dass zunehmend auch Jungen als Lesementoren beim hannoverschen Lesementoring-Projekt mitmachen. Dazu passte, dass die Kompetenznachweise 2008 für die Lesementoren im Rathaus feierlich von einem Fußballprofi von Hannover 96 überreicht wurden.
Eine andere Zielgruppe der Leseförderung können Kinder sein, deren Erstsprache nicht Deutsch ist. Hier kommen mitunter, aber nicht immer mehrere Faktoren zusammen. Häufig verfügen ihre Eltern über zu wenige Kenntnisse der deutschen Sprache und haben keine schriftsprachlichen Erfahrungen in der Muttersprache. Diese so genannte doppelte Halbsprachigkeit bietet erschwerte Voraussetzungen für die Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen. Ein Beispiel für eine gezielte Förderung dieser Kinder stellt das Hildesheimer Projekt „Meine Lieblingsgeschichte – En Sevdigim Hikaye“ dar.
Akteure – Partner
Die Eltern nehmen eine Schlüsselrolle in der Leseförderung ein. Das beginnt mit der Frühförderung, wie sie etwa in Osnabrück durch die Bücher-Baby-Gruppen der Bibliotheken unterstützt wird. Es setzt sich fort mit dem Vorlesen bis tief ins Grundschulalter und mit Buchgeschenken zu Weihnachten und zu Geburtstagen, wobei Buchhandlungen und Bibliotheken gern Anregungen liefern. Ganz wichtig ist auch, dass die Eltern durch eigenes Lesen ein Rollenmodell liefern. Das schulische „Pflichtlesen“ können die Eltern gut unterstützen, indem sie sich für die gelesenen Werke und Texte interessieren und daran anknüpfende eigene Leseanregungen geben.
Pädagogen in Schulen und Kindergärten gehören zu der Berufsgruppe, die traditionell die bedeutendste Rolle in der Leseförderung spielt, denn es ist ihre Aufgabe, den Kindern Leselust und Lesekompetenz zu vermitteln. Sie sollten schon in ihrer Ausbildung mit dem Problem der Leseförderung theoretisch und praktisch in Berührung kommen. Das Braunschweiger Lern-Werkstatt-Projekt liefert ein gutes Beispiel dafür, wie diese praxisnahe Ausbildung aussehen kann. Lehramtsstudenten fördern leseschwache Zweitklässler gezielt in Kleingruppen. Ihre Arbeit wird wissenschaftlich betreut und geschieht in enger Absprache mit den beteiligten Lehrkräften.
Aber Pädagogen sind schon in der frühen Leseförderung gefragt, nämlich in der vorschulischen Kinderbetreuung, etwa im Kindergarten. Der Pinguinkindergarten in Aurich engagiert sich zum Beispiel in der Leseförderung, indem er seine Räume für die alljährliche Auricher Kinder- und Jugendbuchmesse zur Verfügung stellt, die vom Verein „Lesetoll“ durchgeführt wird. In Buxtehude sind neben der Stadtbibliothek die Kindergärten an der Rucksackbibliothek beteiligt.
Der wichtigste Stützpunkt der Leseförderung außerhalb von Elternhaus, Schule und Kindergarten ist die Bibliothek, denn hier steht der reichhaltige Lesestoff, an dem sich Lesekompetenz erproben und entwickeln, Leselust und Lesegewohnheit sich entfalten können.
Die Bibliothekarinnen und Bibliothekare sind sich ihrer Schlüsselrolle bewusst und spielen deshalb niedersachsenweit mit ihren Angeboten die Rolle eines Motors der Leseförderung. Sie sind die zentrale Anlaufstelle für das lokale Lesenetzwerk. Sie führen an vielen Orten selbst Vorleseaktionen und Bilderbuchkinos durch. Sie machen in Jugendbuchwochen in Kooperation mit anderen Einrichtungen auf Neuerscheinungen im Bereich von Kinder- und Jugendliteratur aufmerksam, wie dies zum Beispiel in Celle, Göttingen, Hannover und Oldenburg geschieht. Mitunter sind sie auch an Jurys von Kinder- und Jugendbuchpreisen beteiligt, etwa beim Oldenburger Jugendbuchpreis.
Die systematische und kontinuierliche Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen fixieren einige Bibliotheken, wie beispielsweise die Stadtbibliothek Salzgitter, in verbindlichen Kooperationsverträgen.
Neben den Pädagogen und den Bibliothekaren sind in einzelnen Projekten andere Partner von zentraler Bedeutung.
Zeitungsverlage führen in Zusammenarbeit mit Lehrkräften Zeitungsprojekte durch, bei denen die Schüler anhand der örtlichen Tageszeitung zumeist sowohl ihre Lesekompetenz und als auch ihre Schreibfähigkeit üben. Neben dem Projekt Schulz (Schule und Zeitung) des Braunschweiger Zeitungsverlags laufen unter anderem in Hannover, Hildesheim und Oldenburg Zeitungsprojekte unter dem Namen ZISCH (Zeitung in der Schule).
Der Buchhandel ist traditionell der Partner der Schulen beim alljährlichen Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, wobei mitunter neben Buchhandlungen auch Bibliotheken Austragungsorte der überschulischen Ausscheidungsrunden sind.
Bei dem Wettbewerb „Wer liest gewinnt“ sind es die Telefonbuchverlage, die als Sponsoren für die nötige Unterstützung sorgen.
Pädagogen und Bibliothekare wären in der Leseförderung völlig überfordert, wenn sie nicht auf viele ehrenamtliche Leseförderer zählen könnten. Am besten funktioniert das, wenn diese Helfer fest in einen institutionellen Rahmen eingebunden sind.
Die Stiftung Lesen betreut seit vielen Jahren Vorlesepaten in ihrem Vorleseclub. Diese Vorlesepaten lesen in Kindergärten, Schulen, Bibliotheken oder anderswo Gruppen von Kindern vor. Sie sind vor Ort in Vorleseinitiativen zusammengeschlossen. Die Vorlesepaten erhalten regelmäßig Anregungen durch eine Vorleseclub-Zeitung und eine Empfehlungsbroschüre mit Neuerscheinungen, und die Vorlesepaten haben die Gelegenheit, an Seminaren zur Einführung in ihre Tätigkeit teilzunehmen. In Niedersachsen gibt es zahlreiche Kontaktstellen für die regionale Betreuung der Vorlesepaten. Sie sind auf der Website der Akademie für Leseförderung und der Website der Stiftung Lesen verzeichnet. Angebote zur Ausbildung der Vorlesepaten bieten in Niedersachsen die Akademie und die Aktion Leselust in Hildesheim an. In Nordhorn bilden die erwachsenen Vorlesepaten auch Grundschüler als Vorlesepaten aus.
Ehrenamtliche Leselernhelfer, die mit einzelnen Kindern mit Leselernschwierigkeiten spielerisch das Lesen üben, sind häufig im Rahmen des örtlichen Mentorenvereins organisiert. Diese Vereine vermitteln Kontakte zu den Schulen, die ihrerseits die zu fördernden Kinder auswählen. Sie sorgen auch für die praktisch-pädagogische Einweisung der Leselernhelfer und betreiben Öffentlichkeitsarbeit.
Eine wichtige Rolle als Träger von ehrenamtlicher Leseförder-Arbeit spielen aber auch Bürgerstiftungen, wie zum Beispiel in Braunschweig, Hemmingen, Lilienthal, Neuenkirchen-Vörden, oder gemeinnützige Vereine wie der Rotary-Club, zum Beispiel in Syke.
Projekte
Punktuelle Aktionen zu besonderen Anlässen: Eine gute Möglichkeit, große öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema Leseförderung zu lenken, ist die Konzentration auf einen bestimmten Tag, die Schaffung eines Leseförder-Ereignisses. Besonders beliebt sind Tage, die ohnehin dem Thema gewidmet sind, also vor allem der Welttag des Buches am 23. April jeden Jahres. Weitere Kandidaten sind der bundesweite Vorlesetag von ZEIT und Stiftung Lesen (immer Mitte November) und der bisher kaum dafür genutzte Weltbildungstag (8. September), dessen englische Bezeichnung „World Literacy Day“ noch stärker den Bezug zur Lesekompetenz enthält.
Beliebt sind Aktionen zum Tag der Einschulung der Erstklässler, wie „Leo Lesepilot“ der Büchereizentrale Niedersachsen sowie die vergleichbaren Projekte in Osnabrück, Buxtehude und Garbsen. So kann man nämlich im Prinzip alle Kinder eines Jahrgangs erreichen – und mit der Schule beginnt für die Kinder ohnehin der offizielle Einstieg in die Welt des Lesens.
Welcher Tag auch immer für punktuelle Aktionen ausgewählt wird, er kann gut zur Bündelung mehrerer Angebote genutzt werden: Autorenlesungen, Vorleseaktionen, Buchausstellungen, Wettbewerbe, Malaktionen, Spiele, Musik. Örtliche Lesenetzwerke können das gut, denn jeder Partner kann einen eigenen kleinen Beitrag zu einer insgesamt großen Veranstaltung leisten. In Hannover ist zum Beispiel der Welttag des Buches traditionell die große gemeinsame Aktion des Lesenetzwerkes.
Regelmäßige Angebote: Damit für Kinder das Lesen eine Gewohnheit wird, auf die sie sich freuen, ist es gut, wenn Leseförder-Angebote regelmäßig stattfinden, etwa zu einer bestimmten Zeit jede Woche oder jeden Monat. Diese Logik tragen die Samstags-Vorleser in Göttingen sogar in ihrem Namen: Jeden Samstag um 11 Uhr wird aus einem Buch vorgelesen oder ein Bilderbuchkino vorgeführt. Die wöchentliche Förderstunde mit dem Leselernhelfer stellt ebenfalls ein Ritual dar.
Die Rucksackmütter treffen sich – etwa in Hannover – regelmäßig mit anderen Müttern und den Kindern, um spielerisch Sprachförderung zu betreiben, Geschichten zu erzählen und mit den Kindern Bilderbücher zu entdecken.
Mehrtägige Großveranstaltungen: Wenn Lesenetzwerke durch punktuelle Aktionen zu besonderen Anlässen und unaufwendige regelmäßige Angebote Vertrauen in ihre organisatorischen Fähigkeiten gewonnen haben, trauen sie sich vielleicht auch an mehrtägige Großveranstaltungen. Das können Kinder- und Jugendbuchwochen sein, wie sie zum Beispiel in Oldenburg und Celle alljährlich durchgeführt werden und bei denen sich vielfältige Aktionen über ein bis zwei Wochen erstrecken. Auch die Celler Lese-Experten können in diesem Zusammenhang erwähnt werden – eine Aktion, die sich über ein halbes Jahr erstreckt und durch eine große Auftakt- und eine große Abschlussveranstaltung umrahmt wird.
Autoren:
Anke Märk-Bürmann
Dr. Andreas Müller
Karola Penz
Akademie für Leseförderung der Stiftung Lesen an der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
Waterloostr. 8
30169 Hannover
E-Mail: alf@gwlb.de
Tel.: (0511) 1267 215
Publikation
Leseland Niedersachsen
Lesenetzwerke und lokale Leseförder-Initiativen 2009
Schriftenreihe der Stiftung Lesen, 05
Hrsg.: Heinrich Kreibich und Stefan Aufenanger
Redaktion: Anke Märk-Bürmann, Andreas Müller, Karola Penz
Die Broschüre kann bei der Akademie für Leseförderung der Stiftung Lesen an der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek bestellt werden.
Wichtige Internetseiten:
Projekte und Initiativen mit bundesweiter Ausrichtung
Redaktionskontakt: redaktion@lesen-in-deutschland.de
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